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Demon’s Souls Remake (2020)

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Der Anfang…

Elf Jahre nach der Erstveröffentlichung fünf spirituelle Nachfolger und einen riesigen kulturellen Einschlag in die Videospielindustrie später findet das originale „Souls“-Spiel seinen Weg auf die PlayStation 5 zurück. Visuell von Bluepoint Games komplett überarbeitet und dadurch fast gar nicht mehr wiederzuerkennen, ist der PS5-Launch Titel wohl der beste Anschaffungsgrund für Sonys neue Konsole.

FromSoftwares originales Demon‘s Souls war bis zur Veröffentlichung des Remakes nur auf der PlayStation 3 spielbar. Die Popularität der Souls Spiele war zu den Zeiten der PS3 noch lange nicht an ihrem Höhepunkt angelangt. Jahre später, nach dem Aufstieg von Soulslikes in den Mainstream, war es schon zu spät für Demon’s Souls auf der PS3. Die Konsole war schon obsolet geworden, nicht mehr in Produktion und so wurde Demon’s Souls für einige Fans zu dem Heiligen Gral der Reihe. Es war der Anstoß für eines der einflussreichsten neuen Franchises in der Videospielindustrie. Der Ursprung, den Einige niemals spielen konnten, da die Zeiten der PS3 schon lange vorbei waren.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

…einer Liebesgeschichte

So ging es auch mir. Ich habe über die Jahre jedes einzelne Soulslike von FromSoftware gespielt und zu lieben gewonnen. Meine Liebe zur Reihe hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Angefangen hat es damit, dass ein Verwandter eines Tages irgendwann in 2013, mit dem originalen Demon’s Souls zu Besuch kam. Damals hatte ich noch nie von der Reihe gehört, aber war fasziniert von dem, was mein Cousin vor meinen Augen spielte. Eine mittelalterliche Fantasiewelt mit einer dichten Atmosphäre, die dem Spiel eine einzigartige Melancholie verleiht. Die Feinde sind Dämonen, verschiedenste Kreaturen oder ihrer Seelen beraubte Menschen, die größtenteils ziellos eine verlassene Welt durchstreifen. Die Soulsreihe spielt in hoffnungslosen Welten, dessen Hoffnungslosigkeit nicht nur durch die Atmosphäre, sondern auch durch den Schwierigkeitsgrad der Spiele ihren Effekt bekommt.

Der Cousin, dem ich damals beim Spielen zugeguckt hatte, ist beim Spielen immer wieder gestorben. Für mich als kleinen Jungen war das faszinierend, er war doch so viele Jahre älter als ich, wie kann er denn dann so schlecht sein? Nach ein paar arroganten Kommentaren meinerseits ließ er mich dann auch spielen. Ich musste selbst erfahren, wie anders und wie erbarmungslos Demon’s Souls im Vergleich zu den Spielen war, die ich sonst gespielt hatte. Management von Ausdauer zum Ausweichen und zum Angreifen, begrenzte Heilmöglichkeiten, wenig Trefferpunkte, weniger Speicherpunkte und dadurch lange Wege, um zum Ort des Todes zurückzukehren.

Der Spielercharakter sollte mithilfe von „Seelen“, die man von getöteten Gegnern erlangt, verbessert werden. Mehr Stärke, Ausdauer und Leben im Austausch mit den erbeuteten Seelen. Jedoch verliert man bei jedem Tod alle seine Seelen, bekommt allerdings die Möglichkeit, diese wiederzugewinnen, wenn man ohne einen weiteren Tod zum Ort des vorherigen Sterbens zurückgelangt. Damals eine fast schon unmögliche Aufgabe für mich.

Ich kam nie weit im Spiel, habe mich nur zur Hälfte durch das erste Areal kämpfen können und mein Cousin kam auch nicht viel weiter.

Kein Entkommen

Das war‘s mit meinem Kontakt zu Souls, erst mal. Denn schon bald darauf setzte der Baader-Meinhof Effekt bei mir ein und ließ mich nicht mehr los. Nachdem ich über die Existenz von Souls gelernt hatte, sprach plötzlich jeder der YouTuber, die ich damals geguckt hatte, über die Spielereihe. Über die baldige Veröffentlichung von „Dark Souls 2“ und mehr. So vergingen Jahre, in denen ich YouTubern dabei zugesehen hatte, wie sie die Spiele spielten und mein Verlangen, die Reihe irgendwann wieder selbst zu spielen wurde entfacht, auch wenn mir die Erinnerung an den hohen Schwierigkeitsgrad von Demon’s Souls Sorgen bereitet hatte.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Nach einem abgebrochenen Spieldurchlauf von Dark Souls 2 kam es zur Veröffentlichung von dem dritten Teil der Reihe. Dem Teil, in dem ich bis heute um die 150 Spielstunden verbracht habe. Das war mein wirklicher Durchbruch in die Welt der Souls Spiele. Schnell habe ich gelernt, dass der Schwierigkeitsgrad einzig und allein bei einem Selbst liegt. Was heißen soll, dass mit genügend Konzentration alles möglich ist. Es geht nur darum, am Ball zu bleiben und sich nicht zu sehr zu stressen. So ist die Soulsreihe gar nicht mehr wirklich schwer, man muss sich einfach erst eingewöhnen.

Danach habe ich über die Jahre jedes Soulslike von FromSoftware gespielt, Dark Souls 2 noch beendet und jeden einzelnen Teil der Reihe ins Herz geschlossen. Doch irgendwann war’s das. Ich hatte nun einmal alles gespielt. Nun ja, bis auf Demon’s Souls. Ich habe sicher Jahre damit verbracht, es zu bereuen, nicht damals schon genug Zeit in das Spiel gesteckt zu haben, um es fertig zu kriegen. So hatte ich immer im Hinterkopf, dass ich den Ursprung der Reihe nie fertig spielen konnte, dass ein unbeendetes Souls Spiel noch auf meiner Liste war. Ohne PlayStation 3 war es einfach unzugänglich. Zumindest bis zum PlayStation 5 Remake.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Alles beim… Alten

Auch wenn Demon’s Souls der erste Teil der Reihe war, fühlt man sich doch sofort zu Hause. Denn es hat sich nicht viel geändert. Die Steuerung ist genauso wie in den neuen Teilen. Davon abgesehen, dass man keine Angriffe aufladen und nicht springen kann. Die Menüs funktionieren ähnlich, das Aufleveln ist im Grunde gleich, auch hier gibt es eine HUB-Welt, den „Nexus“, zu dem man immer wieder zurückkehrt, um dort mit NPCs zu reden und sich so über die Hintergründe der Spielwelt zu informieren. Das Spielprinzip ist im Grunde also gleichgeblieben, aber es funktioniert so gut, dass das dem Spiel keine Abstriche tut.

Teleportieren anstatt spazieren

Der wohl größte Unterschied zu den Nachfolgern ist die Aufteilung der Spielwelt. Im Gegensatz zu den neueren Teilen ist die Spielwelt nicht zusammenhängend. Es gibt fünf verschiedene Gebiete, die man über den Nexus betreten kann, indem man sich zu ihnen hin teleportiert. Für viele Fans ist eines der Highlights der Souls Spiele die Spielwelt, in der die Gebiete so verbunden sind, dass man über geöffnete Abkürzungen immer schneller die Welt durchqueren kann. Es kommt nicht selten vor, dass man nach zehn Spielstunden eine Abkürzung findet, die einen direkt in das Startgebiet zurückführt. Die Welt wirkt real und zugänglich, wenn verschiedene Wege ineinander verlaufen.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Eben das gibt es in Demon’s Souls nicht, zumindest nicht in dem Ausmaß. Abkürzungen innerhalb dieser voneinander getrennten Gebiete gibt es zwar, aber keine Abkürzungen zwischen den Gebieten. Jedes der Levels ist dabei aber so einzigartig und in sich so gut designet, dass das gar nicht fehlt. Die Levels sind nämlich der stärkste Aspekt des Spiels. Jedes andere Souls Spiel hat mehrere Gebiete, die weniger ansprechend sind als der Rest. Sie stechen dabei so heraus, dass es keinen Spaß macht, sie zu erkunden, vor allem nicht nach mehreren Spieldurchläufen. Demon’s Souls ist da konsequenter. Jedes der Level hat seine Qualitäten und es gibt kein einziges, das sich nach mehreren Spieldurchläufen gezogen hat. Sie bieten verschiedene visuelle Designs, von klassischen Burgen zu stürmischen Klippen albtraumhaften Kerkern, bedrückenden Minen und verpesteten Schluchten. Der FromSoft-typische Gift Sumpf ist natürlich auch wieder mit dabei.

Bluepoints visuelle Überarbeitung des Spiels trägt dazu bei, dass es schon Spaß macht, sich durch die Spielwelt zu bewegen. Zusammen mit FromSoftwares superbem Design macht das Demon’s Souls Levels zu den Besten der gesamten Spielreihe.

Nette Bosse

In jedem der Gebiete gibt es verschiedene Gegner, die auch noch zur eigenen Identität der Levels beitragen. Es werden sich keine Gegner geteilt und fast jeder Feind bietet interessante Kämpfe. Leider lässt sich dasselbe nicht über die Bossgegner sagen. Die Soulsreihe ist neben ihrem Schwierigkeitsgrad, Gameplay und Schwierigkeitsgrad auch für seine Bosskämpfe bekannt. Es gibt kaum eine Spielreihe, die bessere Bosskämpfe bietet. Mit jedem Boss stellt man sich einer neuen Herausforderung. Bombastische, orchestrale Musik, ein anspruchsvoller Kampf, eine Aufgabe, die zum Ausdauern fordert. Aus Fehlern lernen und es wieder versuchen, immer und immer wieder. Bis man es geschafft hat. Bis der Boss besiegt ist und man sich über diesen Sieg freut, weil man endlich eine Hürde überkommen hat, die man anfangs für unüberkommbar hielt.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Diese Erfahrung gibt es in Demon’s Souls nicht. Viele der Bosse sind Gimmick Bosse. Keine Duelle zwischen dem Spieler und einem furchterregenden Feind. Viel mehr sind es Katz und Maus Spiele. Einer der Bosse ist blind, fast schon machtlos, solange man darauf achtet, dass man nicht zu viel Lärm macht, einen anderen kann man nicht einmal direkt angreifen. Solange man aus seinem Blickfeld bleibt und sich an ihm vorbeischleicht, ist der Kampf ohne Anstrengung gelöst. Das ist auch die einzige Option, denn wenn man entdeckt wird, ist man meistens schon mit einem Treffer tot. Die meisten Bosse haben solch ein Gimmick, und die, die das nicht haben, sind zwar meistens gut, machen mehr Spaß und bereiten eine Freude ähnlich wie in den neueren Souls Spielen sind aber so einfach zu besiegen, dass nie eine Herausforderung entsteht, die man überkommen muss. Sie sind keine Hindernisse, sie sind ein Umweg, und zwar kein wirklich langer.

Trotzdem schwer

Vielleicht sind die Bosskämpfe nicht so anspruchsvoll, wie man es von FromSoftware erwartet, aber dafür findet man die Herausforderung woanders. Die Gebiete sind eben nicht nur visuell ansprechend und gut designet, sie sind das eigentliche große Hindernis zwischen dem Spieler und den Credits. Die Checkpoints liegen weit auseinander und viele der normalen Gegner im Tandem mit den vielen gefährlichen Klippen bereiten echte Probleme. Nach einem Tod wird man in seinem Fortschritt weit zurückgesetzt. Manche wird das ganze so sehr aus dem Spielfluss bringen, dass sie deshalb aufgeben werden, andere werden dadurch genauso angespornt wie von schweren Bosskämpfen. Es ist eine merkwürdige Umstellung, mehr Respekt vor den Gegnern im Level zu haben als vor den Bossen, aber genau das sorgt für eine interessante Dynamik, die so sonst etwas seltener in den anderen Souls Spielen vorkommt.

Demon's Souls
© Sony Interactive Entertainment / Bluepoint Games

Also wo steht Demon’s Souls? Es steht irgendwo ganz oben mit dabei. Irgendwo oben mit allen anderen Spielen der Soulsreihe. Jedes Souls Spiel hat seine Stärken und Schwächen, aber jedes von ihnen ist so gut, dass sie schwer qualitativ voneinander zu trennen sind. Das schwarze Schaf der Reihe Dark Souls 2 malausgenommen. Selbst wenn einen als Souls Veteran wenig an Demon’s überrascht, ist die starke Atmosphäre und die wirklich einzigartige Levelstruktur so einnehmend, dass das altbekannte Gameplay weiterhin scheint und seine Schwächen überspielt. Es verdient Respekt, wie stark der erste Teil der Soulsreihe wirklich ist und dass er sich gar nicht vor seinen Nachfolgern schämen muss.

Mein Souls Finale

Heute kann ich glücklich behaupten, dass ich es geschafft habe. Jeder Teil der Reihe ist gespielt, das Kapitel Demon’s Souls ist abgehakt und das Warten auf ein weiteres Meisterwerk von FromSoftware beginnt. Das alles dank Bluepoints visuell beeindruckendem Remake, vielleicht sogar das hübscheste Spiel, das ich je gespielt habe. Demon’s Souls endlich gespielt zu haben bedeutet mir viel. Das Spiel ist verbunden mit schönen Erinnerungen an meinen Cousin, meine Kindheit und die Zeit, in der ich mich dann so richtig in die Soulsreihe reingefunden habe. Ich bin Demon’s Souls für so Einiges dankbar.

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