Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (J.J. Abrams, 2019)

Star Wars TROS
© J.J. Abrams / LucasfIlm


„Der Aufstieg Skywalkers“ ist für Star Wars das was „Avengers: Endgame“ für das Marvel-Cinematic-Universe war. Der Regisseur J.J. Abrams zitiert Dialoge sowie Szenen der vorhergehenden Filme im Franchise und versucht so die Skywalker Saga mit einem Liebesbrief an das gesamte Franchise zu beenden. Für manche Fans mag das ein unterhaltendes Finale gewesen sein, aber für mich war es das definitiv nicht.

Von der ersten Sekunde an ist das Tempo des Filmes so hoch angesetzt, dass es fast schon irritierend sein kann, dem Geschehen zu folgen. Abrams lässt dem Zuschauer nicht genug Zeit, um die Szenen auf einen wirken zu lassen, außer wenn einer der Droiden es gerade mal für nötig hält, einen Witz von der Blechhaube zu scheppern. Die ersten zwei Drittel des Filmes werden so schnell erzählt, dass es bemerkenswert ist, wie wenig Inhalt dem Zuschauer dabei kommuniziert wird. Die Protagonisten jagen von Planet zu Planet, von Konflikt zu Konflikt und vergessen dabei, die Handlung des Filmes voranzutreiben. Während dem Action-Chaos verbringt der Film einen Großteil seiner Zeit damit, Konflikte zwischen seinen Charakteren anzudeuten, diese aber nie ausspielen zu lassen. Die Spannungen zwischen den Figuren werden entweder unter den Teppich gekehrt oder so geklärt, dass man sich fragen kann, ob die Zeit nicht woanders hätte besser genutzt werden können. Dasselbe gilt auch für Abrams‘ Versuch, den Protagonisten mehr Tiefe zu gewähren oder Fragen der Fans zu beantwortet, die so seit „Das Erwachen der Macht“ bestanden. Der Fakt, dass im finalen Teil der Trilogie nicht mehr die Zeit vorhanden ist, um diese Aspekte zufriedenstellend zu klären, ist dem Regisseur dabei wohl unwichtig.

Zum Beispiel: Ein großer Teil der Fangemeinschaft war nicht zufrieden mit der Exklusion der Ritter von Ren in „Die Letzten Jedi“, was einer der vielen Gründe dafür war, dass Regisseur Rian Johnson von der Fangemeinde stark unter Druck gesetzt wurde. Da J.J. Abrams wieder das Ruder übernommen hat, konnten sich die Fans auf eine Rückkehr der Ren-Ritter freuen. Schade, dass Abrams selber nicht zu wusste, was er mit diesen Figuren anstellen soll. Weshalb sie allesamt nur als unwichtige Abziehfiguren erscheinen, die alle paar Minuten vor laufender Kamera posen dürfen, ohne die Handlung in irgendeiner bedeutenden Weise zu beeinflussen. Dabei wird klar, dass Abrams versucht hat, die vermeintlichen Fehler von „Die Letzten Jedi“ rückgängig zu machen und eine Vielzahl von Star Wars Fans zurückzuerobern. Er ignoriert dabei nicht nur Handlungsentwicklungen aus Johnsons Film, sondern missachtet sie und ändert diese retroaktiv, sodass bei dieser Trilogie schwer von einem einheitlichen Gesamtwerk zu reden ist.

Viele der Probleme des Filmes belaufen sich darauf, dass Abrams es für wichtig hielt, einen Großteil der Laufzeit damit zu verbringen, alle Entwicklungen aus „Die Letzten Jedi“ rückgängig zu machen. Es wirkt so, als ob Abrams mit „Der Aufstieg Skywalkers“ versucht hat, seine Idee für eine Star Wars Trilogie in einen einzigen Film zu quetschen und dabei die Handlung von zwei Filmen in einem zu erzählen. Allerdings kann man für das alles nicht Abrams allein die Schuld in die Schuhe schieben. Auch er arbeitet für jemanden. Disney feuerte Colin Trevorrow vom Regiestuhl und ersetzte ihn durch Abrams. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Wäre die Trilogie von drei verschiedenen Regisseuren geschaffen worden, dann wäre diese Diskrepanz in der Vision für Star Wars nicht ganz so aufgefallen. Natürlich versucht Abrams seine eigene Agenda durchzubringen, wenn er die Chance dafür bekommt. Wenn er für die Einführung und das Finale in die Trilogie verantwortlich ist, ist es schwer, diesen entscheidenden Mittelteil nicht auch noch beanspruchen zu wollen. Es ist schade, denn eine einheitliche Vision hätte genügt, um diesen Film besser zu machen. Egal ob das heißt, dass Abrams alle drei Teile hätte inszenieren dürfen, oder ob Treverrow den dritten Teil für sich selber hätte erzählen können. Diese einheitlichen Stimmen, entweder im ganzen oder einzeln, hätten dem Gesamtwerk nur gutgetan.

Insgesamt ist „Der Aufstieg Skywalkers“ ein Wirrwarr an Ideen und Referenzen und schlägt dabei fehl, ein zufriedenstellendes Ende für die Saga zu liefern. Auch Star Wars kann den Gegenspieler zu groß und mächtig gestalten, sodass der gesamte Klimax des Filmes zu übertrieben ist, um ihn ernst zu nehmen. Nein, Episode 9 hat es nicht geschafft, mich für das Ende der Saga zu begeistern. Für das Ende einer Saga, die mich sowie Millionen andere Menschen über mein ganzes Leben lang begleitet hat.

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